Sexualempfindung, wie sie bei konträr Sexualen häufig vorkommt (s. unten), zu denken ist, ergibt sich - abgesehen davon, dass alle positiven Anzeichen dafür fehlen - auch aus der Betrachtung der nächsten Gruppe, wo neben dem Objekt der Misshandlung - Tiere - die Richtung des Triebes auf das Weib wiederholt deutlich hervortritt.

b) Sadistische Akte an Tieren.

In zahlreichen Fällen benützen sadistisch perverse Männer, die vor einem Verbrechen am Menschen zurückschrecken, oder denen es überhaupt nur auf den Anblick des Leidens eines empfindenden Wesens ankommt, zur Potenzierung oder Erregung ihrer Wollust den Anblick des Sterbens von Tieren 1) oder die Marterung derselben.

Bezeichnend in dieser Hinsicht ist der von Hofmann in seinem Lehrbuch der gerichtlichen Medizin berichtete Fall eines Mannes in Wien, der sich nach der gerichtlichen Aussage mehrerer Prostituierten vor dem Geschlechtsakt durch Martern und Töten von Hühnern, Tauben und anderen Vögeln aufzuregen pflegte und deshalb von ihnen den Spitznamen "Hendlherr" erhielt.
Wertvoll für die Bedeutung eines derartigen Falles ist die Beobachtung von Lombroso bezüglich zweier Männer, die, wenn sie Hühner oder Tauben erdrosselten oder schlachteten, Ejakulationen bekamen.
Derselbe Autor berichtet in seinen "Uomo delinquente" p. 201 von einem bedeutenden Dichter, der beim Anblick des Zerstückelns eines geschlachteten Kalbes oder auch beim blossen Gewahrwerden von blutigem Fleisch sexuell mächtig erregt wurde.
Ein entsetzlicher Sport soll nach Mantegazza (op. cit. p. 114) bei entarteten Chinesen darin bestehen, Anseres [Gänse] zu sodomisieren und ihnen tempore ejaculationis [zum Zeitpunkt der Ejakulation] den Hals abzusäbeln (!).
Mantegazza (Fisiologia del piacere, 5. ed. p. 394-395) berichtet von einem Manne, der einmal zusah, wie man Hähne abschlachtete, und seit dieser Zeit eine Gier hatte, die warmen, noch dampfenden Eingeweide derselben zu durchwühlen, weil er dabei ein Wollustgefühl empfand.
Die Vita sexualis ist also auch in diesem und in ähnlichen Fällen ab origine so beschaffen, dass der Anblick von Blut, Tötung usw. wollüstige Gefühle erregt. Ebenso im folgenden Falle:

Beobachtung 45. C. L., 42 Jahre alt, Ingenieur, verheiratet, Vater von 2 Kindern. Stammt aus neuropathischer Familie, Vater jähzornig, Potator, Mutter hysterisch, litt an eklamptischen Anfällen.
Pat. erinnert sich, in seinen Knabenjahren mit Vorliebe der Schlachtung von Haustieren zugesehen zu haben, insbesondere der von Schweinen. Es kam dabei zu ausgesprochenem Wollustgefühl und zu Ejakulation. Später suchte er Schlachthäuser auf, um sich am Anblick des ausfliessenden Blutes und der Todeszuckungen der Tiere zu ergötzen. Wo er Gelegenheit dazu


1) Der Sohn Ivans des Grausamen, Dimitri, empfand unsäglichen Genuss als Zuschauer des Todeskampfes von Schafen, Hühnern, Gänsen, die man vor ihm abschlachtete (Bibliothèque de criminologie XIX. p. 278).

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